Basel, 1. Juni 2019

Was ist Selbstmitgefühl?
Stellen Sie sich vor, einer nahen Freundin oder einem nahen Freund von Ihnen geht es nicht gut. Auf welche Art würden Sie ihr oder ihm in dieser Situation begegnen – in welchem Ton würden Sie mit ihr oder ihm sprechen? Welche Worte würden Sie wählen? Welche vielleicht liebevollen Gesten oder Berührungen würden Sie ihr oder ihm zum Trost anbieten?

Und nun stellen Sie sich vor, dass Sie sich selbst in einer schwierigen Situation in derselben inneren Haltung zuwenden, wie dieser nahen Freundin oder dem nahen Freund, und dass Sie sich genau so viel Freundlichkeit und Verständnis entgegenbringen. Das ist Selbstmitgefühl! Das klingt ganz einfach! Aber ganz so einfach ist es dann oft doch nicht ...

Um die Dinge noch ein bisschen komplexer zu machen: Wenn wir an Mitgefühl denken, denken wir meistens an eine weiche, umsorgende Qualität, wohlwollend – genau so, wie wenn Eltern ihr kleines Kind umsorgen. Aber ist es nicht ebenso mitfühlend, wenn ein Feuerwehrmann in kämpferischer Entschlossenheit in ein brennendes Gebäude stürmt, um Menschenleben zu retten?

Um das Verständnis von Mitgefühl und Selbstmitgefühl zu vertiefen, ist es wichtig, sich die unterschiedlichen Qualitäten des Mitgefühls zu vergegenwärtigen:
Yin (Mit-Sein) – tröstend, lindernd, bestätigend
Yang (Aktiv sein in der Welt) – beschützend, bereitstellend, motivierend

Die Yin- und Yang-Qualitäten des Mitgefühls haben einen gemeinsamen Nenner: Fürsorge! Für wahres Mitgefühl braucht es jedoch ein ausgewogenes Maß, sowohl von der Yin- als auch von der Yang-Qualität. Yin zum Beispiel brauchen wir, damit “fürsorglicher Schutz” nicht etwas Feindliches oder Machtvolles bekommt und Yang brauchen wir, damit “lindern” kein In-Zuckerwatte-hüllen wird. Fürsorge braucht Mut und Freundlichkeit.

Die Yang-Seite des Mitgefühls – aktiv sein in der Welt – wird angesichts globaler Probleme wie dem Klimawandel, der sozialen Ungerechtigkeit und des Wiederaufflackerns von Nationalismen und Rechtspopulismus zunehmend wichtiger. Yang-Mitgefühl gibt uns die Energie für notwendige Veränderungsprozesse und Yin-Mitgefühl ist ein Gegenmittel zu Selbst-Zweifel und Erschöpfung.
 

Termin

1. Juni 2019     9:30 – 17:00 Uhr

ReferentInnen

Christopher Germer ist klinischer Psychologe, der sich auf achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Behandlung spezialisiert hat. Er arbeitet in privater Praxis und als Lehrbeauftragter für Psychologie an der Harvard Medical School.

Er ist Gründungsmitglied des Instituts für Meditation und Psychotherapie – eine Organisation, die sich für das Einbeziehen alter buddhistischer Psychologie in westliche Therapiemethoden einsetzt.

 

Regula Saner, Dipl. Psychologin und eidg. anerkannte, klinische Psychotherapeutin, zertifizierte Lehrerin für Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) der University of Massachussetts, "Center for Mindfulness" USA und zertifizierte Lehrerin und Ausbilderin für Mindful Self Compassion (MSC) der University of California, San Diego, "Mindfulness-Based Professional Training Institute" USA.

Sie leitet das Zentrum für Achtsamkeit in Basel (Schweiz).

Veranstaltungsort

Zentrum für Achtsamkeit Basel
Schlüsselberg 4
4001 Basel
Schweiz

Weitere Informationen und Anmeldung

Diese Veranstaltung wird nicht von Arbor Seminare organisiert und kann daher auch nicht über uns gebucht werden.

Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen und die Anmeldung direkt an den Veranstalter:  
Zentrum für Achtsamkeit Basel